18.05.2017

Brexit:

Massive Folgen für die Tierärzte erwartet

Brexit

Der Brexit wirft lange Schatten. Auch der Tierarztsektor wird davon umschattet. Die Kollegen von der British Veterinary Association (BVA) machen sich große Sorgen um die Zukunft des tierärztlichen Berufsstands im Vereinigten Königreich. Was in der Öffentlichkeit viele nicht wissen: Nahezu die gesamte Fleischhygiene stemmen Kollegen aus Spanien. Doch auch abseits davon sieht es kaum besser aus: Kamen bisher jährlich ca. 1.000 Tierärzte aus der ganzen EU bereitwillig zum Arbeiten nach Großbritannien und Nordirland, sind es nun – schon bevor auch nur die erste Brexit-Bedingung auf dem Tisch liegt – nur noch 400. Die BVA sieht aber einen noch wachsenden Bedarf an Tierärzten und tierärztlichen Dienstleistungen, der sich auch durch frisch gegründete neue Ausbildungsstätten absehbar nicht decken lasse.  

Die BVA hat deshalb eine großangelegte Sympathie- und Zusammengehörigkeits-kampagne organisiert, um das Gemeinschaftsgefühl ihrer Mitglieder angesichts der Unwägbarkeiten der kommenden Jahre zu stärken. Unter dem Hashtag #teamvet und allerlei passenden Merchandising-Artikeln sollen sich die Kollegen für das Kommende rüsten. Und da rollt so manches auf die Kollegen auf der Insel zu.  

Eine Studie der BVA zu möglichen Brexit-Folgen für den britischen Tierarztmarkt legt nahe, dass der Tierarztbranche umwälzende Veränderungen bevorstehen. Besonders pikant: Aus britischer Sicht führt infolge des verschärft wahrgenommenen Tierarztmangels kein Weg daran vorbei, mehr und mehr bisher – mit guten Gründen – Tierärzten vorbehaltene Aufgaben an das Pflege- und Assistenzpersonal abzugeben. Darunter könnten Impfungen, aber auch Kastrationen und andere chirurgische Eingriffe fallen. Noch gibt die Rechtslage im Vereinigten Königreich dazu keine umfassende Erlaubnis, doch die BVA erwartet im Nachgang des Brexit-Prozesses eine entsprechende Anpassung des nationalen Tierarztgesetztes. Welche Dynamik dieses Signal für andere fachfremde Berufsgruppen in Europa entfalten kann, mag man derzeit nur erahnen.  

Download:
BVA-Studie