31.05.2017

Zum 1. April 2017:

Neuer Tarifvertrag für Tiermedizinische Fachangestellte

Die Tarifverhandlungen des bpt mit dem Verband medizinischer Fachberufe e. V. (VmF) haben am 4. April zu einem Ergebnis geführt. Es ging um die gekündigten Tarifverträge für die Tiermedizinischen Fachangestellten (TFA) zu Gehalt und betrieblicher Altersvorsorge. Die Kleine Tarifkommission des bpt unter der Leitung der 1. Vizepräsidentin Dr. Petra Sindern hat einen insgesamt moderaten Abschluss erzielen können, der gleichwohl attraktiv genug sein sollte, um dem weiter um sich greifenden Fachkräftemangel wirksam begegnen zu können. Die großen Tarifkommissionen der Tarifpartner (beim bpt dessen Bundesvorstand) haben dem Ergebnis zwischenzeitlich zugestimmt. Beide Verträge gelten rückwirkend zum 1. April 2017.  

Gehaltstarifvertrag

Die zum Gehalt erzielten Ergebnisse gelten mit einer Laufzeit von 33 Monaten (Ende am 31. Dezember 2019). Nicht zuletzt, um in der Vergangenheit trotz Tarifl ohns manifest gewordenen Problemen bei der Einhaltung des Mindestlohns künftig vorzubeugen und um den Einstieg in den Beruf attraktiver machen zu können, haben die Tarifpartner sich diesmal gegen eine bloße lineare Steigerung „mit der Gießkanne“ entschieden. Der VmF war noch mit einer wirklichkeitsfernen Forderung von 14 Prozent linearer Gehaltssteigerung in die Verhandlungen gegangen.

Raus aus der Mindestlohnfalle

Im Ergebnis wurde eine überproportionale Aufwertung der Einstiegsstufe (1. und 2. Berufsjahr) beschlossen. Insgesamt wird es in dieser Einstiegsstufe über die Laufzeit des neuen Tarifvertrags eine Erhöhung um zehn Prozent in zwei Stufen geben. Dies entspricht nominell einer Erhöhung um 157,20 € pro Monat. Die erste Stufe greift rückwirkend seit 1. April 2017 mit fünf Prozent, die zweite Stufe bringt vom 1. September 2018 an noch einmal 4,76 Prozent.  

Die Steigerung in der nächstfolgenden Gehaltsstufe (nur im 3. und 4. Berufsjahr) beträgt insgesamt fünf Prozent. Die erste Stufe greift rückwirkend seit 1. April 2017 mit 2,5 Prozent, die 2. Stufe bringt vom 1. September 2018 an noch einmal 2,44 Prozent.  

In allen Berufsjahrgruppen vom 5. Berufsjahr an beträgt die Gehaltssteigerung insgesamt vier Prozent. Die erste Stufe greift rückwirkend seit 1. April 2017 mit zwei Prozent, die zweite Stufe bringt vom 1. September 2018 an noch einmal 1,96 Prozent.  

Die Verhandlungsergebnisse beziehen sich dabei auf Tätigkeitsgruppe I und werden wie bisher auf die Tätigkeitsgruppen II und III hochgerechnet.

Ausbildungsvergütung

Zum Gehaltstarifvertrag gehört außerdem die Vergütung der Auszubildenden. Hier haben sich die Parteien rückwirkend seit 1. April 2017 auf eine Steigerung um 50 € im ersten Ausbildungsjahr und um je 30 € im zweiten und dritten Ausbildungsjahr geeinigt.

Tarifvertrag zur betrieblichen Altersvorsorge und Entgeltumwandlung

Der „Tarifvertrag zur betrieblichen Altersvorsorge und Entgeltumwandlung“ ergänzt die ansonsten freiwillige arbeitnehmerfinanzierte Entgeltumwandlung durch einen verbindlichen Arbeitgeberbeitrag, die sog. Anschubfinanzierung. Weil perspektivisch grundlegende Veränderungen im System der betrieblichen Altersvorsorge denkbar sind, haben die Parteien sich hier für eine kürzere Laufzeit entschieden. Der neue Tarifvertrag zur betrieblichen Altersvorsorge läuft nun bis 31. August 2018, das ist vor Inkrafttreten der 2. Stufe im Gehaltstarifvertrag. Die Erhöhung beträgt dabei 5 € für Mitarbeiterinnen, die 20 und mehr Wochenstunden arbeiten und Auszubildende nach der Probezeit sowie 2,50 € für andere Ausgelernte.  

Möglich bleibt ein zusätzlicher Zuschuss in Höhe von 20 Prozent des umgewandelten Betrags. Dieses Extra ist für den Arbeitgeber kostenneutral, weil er sich aus ersparten Sozialversicherungsbeiträgen ergibt. Der bpt hält die Stärkung der Altersvorsorge für förderungswürdig, zumal Arbeitnehmer schon seit 2002 einen Rechtsanspruch auf Entgeltumwandlung haben.   

Hinweis:

Tarifverträge gelten nur zwingend, wenn der Arbeitgeber Mitglied im bpt und die Tiermedizinische Fachangestellte zugleich Mitglied im Verband medizinischer Fachberufe e. V. ist. Unabhängig davon entsteht eine vertragliche Tarifbindung, wenn der individuelle Arbeitsvertrag auf die beiden Tarifverträge in ihrer jeweils geltenden Fassung wirksam Bezug nimmt.