07.08.2017

BGW-Umfrage:

Gesundheitsrisiken und Verbesserungspotenziale in tierärztlichen Praxen

bgw-umfragezoom

Tierärztinnen, Tierärzte und Tiermedizinische Fachangestellte sehen die größten Gesundheitsrisiken bei ihrer Arbeit in Bissverletzungen und Stress. Das zeigt eine Umfrage der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW). Ebenfalls hoch schätzten viele Befragte die Arbeitsbelastung und die körperliche Beanspruchung in ihrem Tätigkeitsfeld ein. Speziell in Nutztier- und Pferdepraxen wurden zudem häufig Gefährdungen im Straßenverkehr sowie durch Tritt- und Stoßverletzungen angegeben.

Ursachen von Bissverletzungen

Insgesamt nahmen an der Befragung, die 2016 von der Forschungsgruppe g/d/p aus Hamburg für die BGW durchgeführt wurde, fast 1.000 Personen teil. Als Ursachen von Bissverletzungen nannten sie unter anderem die Abneigung von Tierhalterinnen und -haltern gegenüber Fixierungen, die Unberechenbarkeit der Tiere und einen Mangel an technischen Schutzvorrichtungen, beispielsweise an Zwangsständen in landwirtschaftlichen Betrieben.

Stressfaktoren

Zu Stress führen nach Ansicht der Befragten unter anderem großer Konkurrenz- und Zeitdruck, ungeplantes Erscheinen von Klientinnen und Klienten sowie lange Wartezeiten. Angeführt wurden ferner Bereitschafts- und Nachtdienst, Mängel in der Arbeitsorganisation, im Praxismanagement und in der Kommunikation sowie zu wenige und zum Teil ungelernte Beschäftige. Außerdem übertrage sich der Stress des Praxisinhabers oder der Praxisinhaberin auf die Mitarbeitenden.

Arbeitsschutzhemmnisse

Als Hemmnisse im Arbeitsschutz nannten die Befragten neben Zeitmangel, Zeitdruck und Aufwand unter anderem die Ablehnung mancher Schutzmaßnahmen durch die Tierhalterinnen und Tierhalter sowie ängstliche Reaktionen von Tieren. Für eine gute Einbeziehung der Halterinnen und Halter empfahlen sie, sachlich richtig und höflich mit diesen zu sprechen sowie besonders auf die Tiere einzugehen. Um deren Offenheit und Kooperation zu erhöhen, könne man die Kommunikation mit ihnen vorab üben und schwierige Fälle in der Teamsitzung besprechen.

Orga-Tipps

Zur Verbesserung der Praxisorganisation empfahlen die Befragten unter anderem getrennte Warteräume – beispielsweise für Hunde und Katzen, spezielle Sprechstunden für Katzen, Terminsprechstunden mit Zeitpuffer oder eine Mischung aus Terminen und offener Sprechstunde sowie eine Telefonsprechstunde am Abend zum Besprechen von Befunden oder kleineren Problemen. Darüber hinaus wurde eine Zertifizierung im Qualitätsmanagement vorgeschlagen, das verbessere die Arbeitsabläufe.

Knackpunkt Unterweisung

Schwierigkeiten beim Umsetzen von Arbeitsschutzmaßnahmen sahen die Befragten auch im Bereich der Schulung und Unterweisung im eigenen Betrieb. An Verbesserungsideen nannten sie unter anderem betriebsinterne Ordner zum Nachlesen, das zentrale Abspeichern aller Schulungsunterlagen sowie die systematische Festlegung der gesetzlich vorgeschriebenen regelmäßigen Unterweisungen und die Benennung einer dafür verantwortlichen Person in der Praxis.

Angebote der BGW

Die BGW bietet ihren Mitgliedsbetrieben Informationen, Arbeitshilfen sowie Beratungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten rund um den Arbeitsschutz an. Direkten Zugriff auf das Angebot für tierärztliche Praxen ermöglicht der Brancheneinstieg auf der BGW-Website.