14.02.2018

Antibiotikaresistenzen:

Treffen mit WHO-Vertretern in Genf

WHO-Treffen

In Punkto antimikrobielle Resistenzen steht bekanntermaßen der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung unvermindert in der Kritik. Unbeachtet bleiben dabei die längst erfolgreiche Reduzierung der Antibiotikamengen um mehr als 50 Prozent wie auch der Rückgang bei den Zahlen zum betrieblichen Therapiehäufigkeitsindex. Ohne jegliche Evaluierung, ob die bisherigen Maßnahmen die Resistenz bakterieller Erreger eingedämmt haben, wird die Schraube im veterinärmedizinischen Bereich vor allem mit Blick auf die Verlautbarungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) immer weiter angezogen und damit die Behandlung kranker Tiere nahezu unmöglich gemacht.  

Der bpt wollte jetzt konkret wissen, wie die WHO die in Deutschland erzielten Erfolge tatsächlich beurteilt. Dazu traf sich gestern bpt-Geschäftsführer Heiko Färber mit dem Senior Adviser for Essential Medicines, Peter Beyer, und der zuständigen Berichterstatterin für die im vergangenen Herbst veröffentlichten „Guidelines on use of medically important antimicrobials in food-producing animals“, Awa Aidara-Kane, bei der WHO in Genf.   

Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die Guidelines und die im vergangenen Jahr veröffentlichte „Model List for Essential Medicines“. Die gute Botschaft: Das europäische System mit Verschreibung von Antibiotika durch Tierärzte und einem gezielten Antibiotikaeinsatz bei kranken Tieren ist aus Sicht der WHO weltweit vorbildlich. Die schlechte Nachricht: Das deutsche Landwirtschaftsministerium kommuniziert viel zu wenig mit WHO und OIE und stellt nicht ausreichend dar, was Tierärzte und Landwirte in Deutschland alles bei der Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes in den letzten fünf Jahren geleistet haben. Schade für die vertane Chance, die Skandinavier sind hier eindeutig besser. Der bpt wird deshalb den künftigen Bundeslandwirtschaftsminister darauf hinweisen, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht.  

Unabhängig davon bekräftigten die beiden WHO-Vertreter ausdrücklich, dass es sich bei den WHO-Papieren um wissenschaftliche Stellungnahmen und nicht, wie manche deutsche NGO glauben machen wollen, um 1:1 umsetzbare Weisheiten handelt. Auch will die WHO, dass kranke Tiere künftig noch behandelt werden können, zur Not auch mit den sogenannten kritischen Antibiotika (CIA), wobei gerade für den Tierbereich auch immer und unbedingt die Standards der Organisation für Welttiergesundheit (OIE) mit zu beachten sind. Um das Problem antimikrobieller Resistenzen (beim Menschen) wirklich bekämpfen zu können, ist nach Auffassung der WHO vor allem eins dringend nötig: viel mehr Forschung für neue Wirkstoffe. Dafür braucht es Anreize, keine Verbote!